Zweite Stolpersteinverlegung an der Königin-Luise-Schule

Zweite Stolpersteinverlegung an der Königin-Luise-Schule

Sie hätten ein ganz normales Leben führen können

Die zweite Stolperstein-Verlegung an der Königin-Luise-Schule am 18. März 2019

“Maria hätte ein ganz normales Leben führen können. So wie wir alle hier es auch tun. Maria war ein ganz normales Mädchen, es hätte jeden treffen können, doch es traf sie, weil ihre Großeltern eine andere Religion, weil sie eine andere Abstammung hatten” - so stellte Leon (Q2), Schüler des Projektkurses Geschichte, auf der Feier zur Stolpersteinverlegung am 18. März 2019, die ehemalige Schülerin der Königin-Luise-Schule Maria Frankenstein (Jg. 1919) vor. Maria besuchte seit 1933 unsere Schule. Wann sie die KLS genau verlassen musste ist nicht überliefert. 1939 floh sie - um der Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland zu entkommen - nach Großbritannien und überlebte den Krieg.

Regina Rothschild (Jg. 1913) legte 1933 ihre Reifeprüfung an der KLS ab. Auch sie floh 1939 - allerdings nach Amsterdam, das nur ein Jahr später von deutschen Truppen besetzt wurde. 1941 heiratete sie, 1942 wurde die Tochter Ruth geboren. 1943 wurde die junge Familie nach Auschwitz deportiert, wo Regina am 19. November 1943 zusammen mit ihrer einjährigen Tochter ermordet wurde. Ihr Mann wurde wenige Monate später ebenfalls umgebracht.

Lieselotte Sussmann (Jg. 1930) kam 1941 an die Königin-Luise-Schule. Sie verschwieg ihre jüdische Abstammung, blieb aber nur etwa ein Jahr auf der Schule, bis sie sich mit ihrer Familie in einem Pfarrhaus in Königswinter verstecken konnte. Sie überlebte den Krieg.

Irmgard Weiler (Jg. 1907) machte 1927 ihr Abitur an der KLS. Über ihr Leben ließ sich nur wenig herausfinden. 1936 verstarb ihre Mutter nach langer Krankheit. 1941 wurde sie mit ihrem Vater in das Ghetto Litzmannstadt deportiert, wo der Vater 1942 verstarb. Noch im selben Jahr wurde Irmgard im Vernichtungslager Kulmhof ermordet.

Ilse Deutsch (Jg. 1900) kam 1932 als Referendarin für die Fächer Deutsch und Geschichte an die Königin-Luise-Schule. Sie wurde 1933 aus dem Schuldienst entlassen. So musste sie sich in den nächsten Jahren durchschlagen - ein “normales" erfülltes Berufsleben als Lehrerin blieb ihr verwehrt. Ilse Deutsch wurde 1943 zuerst nach Theresienstadt deportiert. Ein Jahr später wurde sie im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

Elsbeth von Ameln (geb. Pollitz, Jg. 1905) legte 1925 ihr Abitur an der KLS ab. Sie studierte Jura und schloss 1929 ihr Studium mit einer Promotion ab und begann anschließend als einzige Frau ihr Referendariat am Kölner Gericht. Später gelang es ihr, sich zusammen mit ihrer Familie in verschiedenen Verstecken der Deportation zu entziehen und den Krieg zu überleben. Sie wurde eine bekannte Strafverteidigerin.

Sechs Namen - sechs Leben ehemaliger Mitglieder der Schulgemeinschaft der Königin-Luise-Schule. Sie alle waren Verfolgte des NS-Regimes. Drei von ihnen wurden ermordet. An alle wird jetzt mit einem Stolperstein vor dem Eingang unserer Schule erinnert.

Nach der Verlegung der Steine durch Gunter Demnig fand im PZ eine bewegende Feierstunde statt, zu der wir sowohl den Bürgermeister, Herrn Dr. Heinen, als auch Vertreter der jüdischen Gemeinde und zahlreiche weitere Gäste begrüßen durften. Die Schülerinnen und Schüler Carl (Abiturjahrgang 2018), Dante (Q2), Paula (Q2), Konrad (Q2) und Leon (Q2) sowie Herr Stiegel, der die Biographie der Kollegin Ilse Deutsch vorstellte, berichteten über die geehrten Frauen, über die Erfahrungen bei ihren Forschungen zu den Biographien der Geehrten - und über den Auftrag, an den uns diese Schicksale erinnern: Dass Entrechtung, Verfolgung und die systematische Ermordung von Millionen von Menschen sich nie wiederholen mögen.

Aber es sind eben nicht nur Zahlen und Millionen, sondern ein Mensch und seine Biographie, ein zweiter, ein dritter… Durch die Recherche zu einzelnen ehemaligen Schülerinnen unserer Schule wird diesen Menschen ein Gesicht gegeben und (wie bei Ilse Deutsch und Irmgard Weiler, von denen keine überlieferten Fotos gefunden wurden) mit den Stolpersteinen ein Ort der Erinnerung geschaffen: Wir wollen eure Namen und euer Schicksal nicht vergessen.

Hierfür gibt es neuerdings auch ein Gedenkbuch auf der Homepage der KLS. Außerdem soll in den kommenden Monaten eine Wand mit den Fotos der geehrten Schülerinnen fertiggestellt werden. Zu den jetzt 11 Stolpersteinen sollen - wenn sich in den kommenden Jahren weitere Projektkurse auf Spurensuche begeben - weitere hinzukommen.

Pal

 

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