Unser Gedenkbuch für die Opfer der NS-Diktatur geht online

Unser Gedenkbuch für die Opfer der NS-Diktatur geht online

 

Seit längerer Zeit erforschen in den Projektkursen Geschichte Schülerinnen und Schüler die Geschichte der Königin-Luise-Schule im Nationalsozialismus. Insbesondere erforschen und rekonstruieren sie die Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern der NS-Diktatur – vor allem jüdischer Schülerinnen und Lehrkräfte, aber auch anderer Verfolgter.

Ziel war es von Beginn an – und dafür schaffen sie mit ihrer Arbeit die Voraussetzungen – für alle Opfer Stolpersteine auf dem Schulgelände verlegen zu lassen, als Ehrung für sie und als Erinnerung und Mahnung für uns. Die ersten sind im April 2018 verlegt worden, die nächsten folgen am 18. März 2019; dieses Projekt wird sich auch in der Zukunft fortsetzen.


Allerdings wird es – aus verschiedenen Gründen – nicht möglich sein, in jedem Fall einen Stolperstein verlegen zu lassen. Zudem ist die Aussage dieser Steine über den betreffenden Menschen notwendigerweise sehr begrenzt. Daher sollen die von den Schülern erarbeiteten Biographien in Form eines Gedenkbuches auf der Homepage der Schule veröffentlicht werden. Passend zur nächsten Stolpersteinverlegung am 18. März 2019 wird es online gehen.

Unser Gedenkbuch gilt allen Opfern der NS-Diktatur, die entrechtet und gedemütigt, an Leib und Leben bedroht und in ihrem Lebensweg beschädigt wurden, die ihren Besitz, ihre Heimat, oft auch nahe Angehörige oder – im schlimmsten Falle – selbst das Leben verloren haben. Dass die Biographien unterteilt sind in „Ermordete“ und „Überlebende“, dient nur der Übersicht angesichts einer größeren und in Zukunft noch weiter wachsenden Zahl von Biographien.

Unser Gedenkbuch bietet zunächst die Namen der Opfer jeweils in alphabetischer Reihenfolge sowie ein Bild der betreffenden Person, soweit sich eines finden ließ. Enthalten sind alle Biographien, die zum jetzigen Zeitpunkt fertiggestellt sind und keiner Sperrfrist mehr unterliegen. Andere werden nach Ablauf der Sperrfrist veröffentlicht, weitere im Lauf der Zeit durch die Arbeit der Projektkurse folgen.


Elsie Berg (* 25.02.1923, ermordet 1943 in Auschwitz) mit ihrer Mutter Friedrike ( 1945)
und den älteren Geschwistern Hans (
1937) und Lili ( 1991)


In unserem Gedenkbuch begegnen uns die Opfer anders als normalerweise in der öffentlichen Erinnerungskultur oder im Unterricht – anders und viel intensiver. Hier haben wir nicht die ungeheuren und in ihrer Ungeheuerlichkeit doch auch kaum vorstellbaren Zahlen, nicht die durch zeitliche und räumliche Entfernung entrückten Geschehnisse. Hier haben wir es mit ganz konkreten, individuellen Menschen zu tun, denen wir häufig ein Gesicht geben können und die uns verbunden sind durch das Lernen und Leben an der gleichen Schule. Jedes Schicksal hat seine eigene Tragik und erschließt uns ganz konkret an einem greifbaren Menschen die erschreckende Dimension des Terrors und des nationalsozialistischen Rassenwahns.

Indem wir in dieser Form an die Opfer erinnern, tragen wir unseren Teil dazu bei, ihnen wenigstens ein Stück ihrer Identität und damit ihrer Würde zurückzugeben. Und sie mahnen uns, Freiheit, Demokratie und Menschenwürde zu verteidigen und gegen jede Form von Ausgrenzung und Rassismus vorzugehen, und zwar vom ersten Moment an.

Herzlich gedankt sei an dieser Stelle allen, die im Lauf der letzten Jahre durch Mitarbeit, Unterstützung und Anteilnahme in vielfältiger Weise beigetragen haben. Dies gilt in erster Linie für die Schülerinnen und Schüler, die mit großem Einsatz und Engagement, mit Herzblut und hoher Verantwortung die Lebensgeschichten erforscht und vor dem Vergessen bewahrt haben.

D. Erkelenz

 

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