Jugend- und Schülergedenktag an der Königin-Luise-Schule

Jugend- und Schülergedenktag an der Königin-Luise-Schule

 

Unter dem Motto „Erinnern – eine Brücke in die Zukunft“ fand am Freitag, den 25.01.2019, der diesjährige Jugend- und Schülergedenktag der Stadt Köln an der Königin-Luise-Schule statt.

Anlass dieses Gedenktages ist die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 durch sowjetische Truppen. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog bestimmte den Tag 1996 zum Gedenktag für die Opfer des Holocaust und rief insbesondere Schülerinnen und Schüler dazu auf, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen.

Dieses Jahr folgte die Stadt Köln bereits zum 22. Mal dem Aufruf Roman Herzogs, indem sie für Schülerinnen und Schüler aller Kölner Schulen eine zentrale Gedenkveranstaltung organisierte, die nun bereits seit vielen Jahren an der Königin-Luise-Schule stattfindet. Dabei ist das Anliegen, zum einen der Opfer der Gräueltaten des Nationalsozialismus zu gedenken, und sich zum anderen in vielfältigen Projekten mit der Frage auseinanderzusetzen, wie wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und Ausgrenzung und Herabwürdigung von Menschen verhindern können.

In ihren Eröffnungsreden wiesen Frau Bürgermeisterin Scho-Antwerpes sowie die Dezernentin für Jugend, Bildung und Sport der Stadt Köln, Frau Dr. Klein, auf diese besondere Bedeutung hin, die das Erinnern für die Gegenwart hat, und sie dankten allen Anwesenden und Teilnehmenden für ihr Engagement, mit dem sie allen ins Bewusstsein riefen, wie wichtig es ist dafür einzustehen, dass alle Menschen gleich sind und niemand ausgegrenzt werden darf.

Zum Bühnenprogramm trugen Schüler von der vierten Klasse bis zur Q 2 unterschiedlicher Schulformen bei, von der Grundschule bis zum Gymnasium. Außerdem kamen Besucher von einer Vielzahl von Schulen aus Köln und darüber hinaus. Das Bühnenprogramm bot einen vielfältigen Einblick in die unterrichtliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

So präsentierten Mitglieder des Projektkurses Geschichte des Gymnasiums Kreuzgasse Schicksale ehemaliger jüdischer Schüler, die als Anwälte zu den ersten Opfern des NS-Terrors zählten; Schülerinnen und Schüler der Käthe-Kollwitz-Realschule vermittelten dem Publikum ihre Erfahrungen und Eindrücke von einer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz; Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Odenthal berichteten über ihre Erforschung der Geschichte der Juden in Odenthal, während Schülerinnen und Schüler der Lise-Meitner Gesamtschule in Porz ihre Spurensuche nach – teilweise bereits völlig vergessenen – Synagogen in Köln darstellten; zusätzlich schlugen sie den Bogen zur Gegenwart, indem sie von der Verfolgung der Religionsgemeinschaft der Yeziden erzählten und Aufklärung gegen gängige Vorurteile boten.

Daneben fanden sich aber auch viele andere Beiträge künstlerischer Art: selbstgeschriebene Rocksongs des Gymnasiums Kreuzgasse, Poetry Slam mit dem Gymnasium Leichlingen, Tanztheater der Theater AG der Käthe-Kollwitz-Realschule und von Theater ImPuls. Besonders berührend war zudem der Auftritt von Schülerinnen und Schülern der Geschichte AG der Grundschule Alte Wipperfürther Straße, die Lieder der Edelweißpiratin Gertrud „Mucki“ Koch sangen und dem Publikum eindringlich ihre persönlichen Botschaften vermittelten.

Die KLS selbst war mit zwei Beiträgen vertreten, die dem Publikum eine Vorstellung von den zentralen Aspekten unseres Erinnerungskonzepts vermitteln sollten. „Den Opfern ein Gesicht geben“ - unter diesem Titel arbeiten wir daran, einen zentralen Gedenkort der KLS zu schaffen in Form einer Fotowand mit Bildern von Opfern der NS-Dikatur und ihrer Familien. Dank der großen Unterstützung, die wir auf unseren Spendenaufruf im Sommer letzten Jahres erhalten haben, hat die Arbeit inzwischen ganz erhebliche Fortschritte gemacht. Eine Auswahl von Fotografien dieser „geraubten Leben“ vermittelte dem Publikum einen Eindruck von der ergreifenden Wirkung, die dieser Gedenkort haben wird. Nachhaltig unterstützt wurde dies wieder einmal durch einen grandiosen Klavierbeitrag von Joshua (EF) mit Chopins Nocturne in cis-Moll.

Unser zweiter Beitrag verdeutlichte, wie die verschiedenen Säulen unseres Erinnerungskonzepts ineinandergreifen und sich ergänzen und welche Breite dies bereits erreicht hat. Die Projektkurse Geschichte der Q1 und Q2 erforschen die Biographien ehemaliger jüdischer Schülerinnen der KLS, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Für sie alle sollen Stolpersteine vor dem Schuleingang verlegt werden – die ersten im April 2018, die nächsten im März diesen Jahres. Ermöglicht werden sie in allen Fällen dadurch, dass Klassen und Kurse von der 5 bis zur Q2 die Patenschaft übernehmen. Schülerinnen und Schüler aus den Stufen 8 bis Q1, die im letzten Jahr durch den Verein „Heimatsucher“ zu Zweitzeugen ausgebildet worden sind, vermitteln die Biographien in altersangemessener Form an die Patenklassen. Die SV schließlich würdigt deren Engagement durch die Verleihung einer von den MG-Kursen gestalteten Urkunde.

Exemplarisch wurde dieses Zusammenspiel dem Publikum an einem konkreten Schicksal verdeutlicht. Lucy und Sonja aus der EF erläuterten zunächst ihre Motive dafür, warum sie sich zu Zweitzeugen hatten ausbilden lassen. Danach stellten sie das Schicksal von Irmgard Weiler vor, die Ostern 1927 ihr Abitur an der KLS gemacht hatte, 1941 zunächst ins Ghetto Litzmannstadt deportiert und 1942 schließlich in Chelmno ermordet wurde. Anschließend berichteten Victoria und Emil aus der Patenklasse 7a, aus welchen Gründen sich die Klasse für die Übernahme der Patenschaft entschieden hatte. Sie erläuterten aber auch, wie der organisatorische Weg dorthin verlief und welche Pflichten sie als Klasse mit der Pateenschaft verbunden sehen. Schließlich berichtete Konrad aus der Q2 von den fachlichen und emotionalen Anforderungen, die die fast einjährige Erforschung dieses Schicksals im Projektkurs mit sich brachte, aber auch von der Verantwortung, die für ihn damit verbunden war.

Alle Beteiligten machten gleichermaßen deutlich, warum sie Zeit und Mühe, Arbeit, Kosten, Verpflichtungen und Verantwortung übernehmen wollten: Um dazu beizutragen, dass die Erinnerung an die Opfer und die Warnung vor den Verbrechen der Nazis nie in Vergessenheit gerät und so etwas nie wieder geschehen kann.

Dies unterstrich auch Anna Piepereit aus dem Vorstand der Bezirksschülervertretung in ihrem abschließenden Appell und mahnte alle anwesenden Mitschüler an ihre persönliche Verantwortung für eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung und Rassismus.

Als besonderen Gast durften wir dieses Jahr den Vorstand der Synagogengemeinde und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Herrn Abraham-Josef Lehrer, begrüßen. Dabei wurde für alle deutlich, dass dies nur unter hohen Sicherheitsvorkehrungen möglich war. Umso mehr zeigt sich gerade daran die Bedeutung dieses Tages.

Als ganz besonderen Gast der Schule nahm zu unserer großen Freude Herr Heyden mit seiner Frau an der Veranstaltung teil. Herr Heyden, selbst ein Verfolgter des NS-Regimes, ist der Sohn von Alice von der Heyden, für die wir im April letzten Jahres einen Stolperstein verlegt haben. Er zeigte sich sehr beeindruckt vom Programm, von der Begegnung mit „seiner“ Patenklasse 9a – und es war berührend zu sehen, wie viel es ihm bedeutet, dass die Erinnerung an seine Mutter an ihrer ehemaligen Schule in dieser Form gewahrt wird.

Durch das Programm führten Hanna, Konrad, Paula und Dante aus dem diesjährigen Abiturjahrgang der Königin-Luise-Schule, dabei wurde die gesamte Veranstaltung tatkräftig unterstützt durch das Technikteam von Herrn Heesen. Ihnen allen sei für ihr Engagement noch einmal ausdrücklich gedankt.

Ez

 

 

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