Erste Stolpersteinverlegung an der KLS

Erste Stolpersteinverlegung an der KLS

(„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“)

Wer jetzt unser Schulgebäude betritt, sieht sofort, dass sich etwas Maßgebliches verändert hat:

Am Mittwoch, den 18.04.2018, haben wir die ersten Stolpersteine für Schülerinnen der Königin-Luise-Schule, die Opfer der NS-Diktatur wurden, vor der Schule verlegen lassen.

Eva Alsberg, * 1924, 1939 Flucht mit einem Kindertransport nach England (Patenschaft: Klasse 5a)

Elsie Berg, * 1923, ermordet 1943 in Auschwitz (Patenschaft: Projektkurs GE Q2)

Lieselotte Samuel, *1923, ermordet in Auschwitz (Patenschaft: Klasse 8b)

Hannah Liese Samuel, * 1920, Flucht 1938 nach England (Patenschaft: Klasse 9a)

Alice Tuteur, * 1893, 1944 in den Selbstmord getrieben (Patenschaft: Klasse 8a)

Erinnert wurde auch an Charlotte Weißberg, * 1907, 1938 nach Polen abgeschoben und im Ghetto Warschau ermordet, für die wir leider keinen Stein verlegen können.

Unter großer Anteilnahme der Schulgemeinschaft legte der Künstler Gunter Demnig, der Begründer des Stolperstein-Projekts, fünf Steine für ehemalige jüdische Mitschülerinnen in den Boden, und zwar direkt vor dem Haupteingang. An dieser Stelle sind sie im wahrsten Sinne des Wortes „Stolpersteine“, denn niemand kann sie übersehen – wie sich sehr deutlich schon an den Reaktionen des Publikums in den ersten Tagen zeigte.

Im Anschluss daran vermittelte uns der Künstler sein Werk und seinen Werdegang. Herr Demnig eröffnete zum einen die Bedeutung und Breite, aber auch die Widerstände und die Entwicklung des Projekts der „Stolpersteine“. Zum anderen gab er uns einen interessanten Einblick in seinen künstlerischen Werdegang: So ließ sich nachempfinden, wie sich aus seinen früheren Projekten die „Stolpersteine“ fast zwangsläufig ergeben haben, die er seit fast 20 Jahren in nunmehr 21 Ländern verlegt.


Anschließend begann die eigentliche schulische Feierstunde unter Beteiligung von zahlreichen Vertretern der Stadt Köln und der Bezirksregierung zunächst mit einer Präsentation von Fotografien der geehrten Mädchen und ihrer Familien. Sie zeigten uns die ganze Fülle ihrer Leben, bevor man sie zu Opfern machte. Der ergreifende Eindruck, den diese Dokumente von den „geraubten Leben“ vermittelten, wurde durch Joshuas (EF) einfühlsamen Klavierbeitrag und Interpretation der Titelmusik des Films „Der Pianist“ unterstrichen.

Danach stellten Schülerinnen und Schüler aus den Projektkursen Geschichte der Q1 und Q2 die Schicksale der Geehrten vor, die sie selbst erforscht und vor dem Vergessen bewahrt hatten. Sie alle beschränkten sich nicht auf die äußeren Fakten dieser Leben, sondern kleideten die Präsentation in eine jeweils sehr persönliche individuelle Botschaft. Gerade so gelang es ihnen in berührender, manchmal sogar erschütternder Weise nachempfinden zu lassen, wieviel Arbeit mit dieser Erforschung verbunden war, aber auch wieviel persönliche Berührung und emotionale Belastung.

Stellvertretend für die SV dankten unser Schülersprecher Anton (Q1) und seine Vertreterin Paula (EF) den Patenklassen, die Finanzierung und Fürsorge für einen Stolperstein übernommen hatten, und überreichten die von den MG-Kursen der Stufe 8 gestalteten Patenschaftsurkunden.

In einem berührenden Akt wurden schließlich die Stolpersteine eingeweiht. Vertreter der Synagogengemeinde Köln sangen ein Gebet, die Patenklassen legten anschließend Blumen nieder als Zeichen ihrer Verbundenheit und ihres Respekts.

Viele haben – mit Herz und Hand – dazu beigetragen, dass dieser Tag als Ergebnis bisheriger Arbeit und Einstieg in zukünftige Projekte so berührend gelingen konnte – zu viele, als dass man sie namentlich erwähnen könnte. Ihnen allen sei für ihren Beitrag von Herzen gedankt.

Unser besonderer Dank gilt zum einen den Schülerinnen und Schülern der Projektkurse, die durch ihre Arbeit und ihr emotionales Engagement in erster Linie für den Erfolg dieses Tages gesorgt haben. Dies ist umso mehr anzuerkennen, da sich die meisten von ihnen gerade mitten in den Abiturprüfungen befinden.

Zum anderen richtet die der Dank an die Klassen und Kurse, die eine Patenschaft übernommen haben und aus Überzeugung dieses wichtige Projekt mittragen.

Und schließlich danken wir dem Förderverein und der SV, die das Projekt finanziell und organisatorisch maßgeblich unterstützt und dadurch erst möglich gemacht haben.

Wie wichtig dies ist – und wie gelungen der Tag war – zeigt uns nicht zuletzt die Reaktion unserer besonderen Gäste, über deren Teilnahme wir uns ganz besonders gefreut haben.

Herr Gunter Heyden, der Sohn von Alice Tuteur, wollte eigens aus London anreisen, musste zu seinem großen Bedauern aber aus persönlichen Gründen absagen. Er wird diesen Besuch baldmöglichst nachholen und dann auch die Patenklasse für den Stein seiner Mutter besuchen.

Frau Barbara Walker, die Tochter von Eva Alsberg, war sogar aus Jamaika angereist, um bei der Ehrung ihrer Mutter anwesend zu sein. Sie zeigte sich tief beeindruckt von der Bedeutung unseres Projekts, der Breite der Unterstützung und dem Interesse und Engagement ihrer Patenklasse 5a, die sich schon während der Projekttage intensiv mit dem Schicksal von Eva Alsberg auseinandergesetzt hatte.

Wer sich in den letzten Tagen vor der Schule umsah, konnte erkennen, dass mit der Stolpersteinverlegung etwas Wichtiges passiert ist. Über den ganzen Tag hinweg standen Schüler, Lehrer, Eltern, abends sogar die Besucher der Volkshochschule, vor den Steinen, einzeln, in Gruppen, in ganzen Kursen, lasen, betrachteten teilweise tief versunken, fotografierten. Plötzlich standen neben den Blumen zwei Kerzen. In vielen Lerngruppen waren die Steine Thema der Diskussion. Zwei Klassen haben bereits ihr Interesse an einer Patenschaft bekundet ...

und immer wieder kam es dabei zu der entscheidenden Frage: Wie konnte das passieren?

Genau so soll es sein, und dies zeigt uns, wie wichtig und richtig unser Projekt ist. Und auf die entscheidende Frage müssen wir die entscheidenden Antworten geben:

Wie konnte das passieren? Indem das Volk alle Macht einer Regierung gab, die in ihren Plänen dann nicht mehr aufzuhalten war. Und indem man zuließ, dass Menschen ausgegrenzt und entrechtet wurden. Damit fing es an, dadurch wurde es möglich – und nur hier hätte man es verhindern können.

Und damit sind wir schon an dem Punkt, aus den Antworten die entscheidenden Lehren zu ziehen. Wie können wir es verhindern?

Indem wir die Demokratie verteidigen und gegen die erste Bedrohung einschreiten. Und indem wir die Menschenwürde – und zwar die Rechte und Würde jedes einzelnen Menschen, unterschiedslos – verteidigen und gegen jede auch noch so gering scheinende Einschränkung aufstehen.

Dann – und nur dann – können wir es verhindern.

Auf lange Sicht soll sich dieses Projekt fortsetzen und wir möchten für alle Opfer des Nationalsozialismus an der KLS – jüdische Schülerinnen, Lehrer*innen, Widerständler, die es alle gegeben hat – Stolpersteine verlegen lassen. Dazu suchen wir weiterhin Paten.

Jede Einzelperson, jedes Gremium, vor allem aber jeder Kurs und jede Klasse kann eine Patenschaft übernehmen. Die Kosten liegen bei 120 € pro Stein – unter bestimmten Umständen bieten SV und Förderverein finanzielle Unterstützung. Verbunden mit einer Patenschaft ist auch eine allgemeine Fürsorge und Verbundenheit – sich über das Schicksal zu informieren und die Erinnerung weiterzutragen, den Stein zu beaufsichtigen, gegebenenfalls zu putzen, bei passenden Anlässen, z.B. am 9. November – oder am Geburtstag der Geehrten – ein Zeichen des Respekts in Form einer Blume oder einer Kerze niederzulegen.

Voraussetzung für eine Patenschaft ist ein Mehrheitsbeschluss, im besten Falle natürlich ein einstimmiger Beschluss in der jeweiligen Klasse. Die Entscheidung muss auch mit den Klassenlehrern und den Eltern abgestimmt sein. Informationen Personen und Hintergründe bekommt man bei Herrn Erkelenz oder Frau Riplinger. Die SV nimmt die Patenschaftswünsche entgegen. Und sobald wir genug Paten gefunden und damit die Finanzierung geklärt haben, werden wir einen neuen Termin zur Verlegung der nächsten Stolpersteine beantragen können.

Ez

 

 

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