„Den Opfern ein Gesicht geben“ - Spendenaktion zur Gestaltung eines Gedenkortes für die Opfer des Nationalsozialismus an der KLS

„Den Opfern ein Gesicht geben“ - Spendenaktion zur Gestaltung eines Gedenkortes für die Opfer des Nationalsozialismus an der KLS

Auf diesem idyllischen Urlaubsfoto sehen wir die Familie von Elsie Berg, Schülerin der KLS von 1933 bis 1938. Es zeigt hinten unter dem Sonnenschirm Elsies Eltern Eduard und Friederike Berg, davor sitzend die Großeltern Ludwig und Sophia Hanf sowie Elsies Tante Diana mit ihrem Mann Rudolf Berg. Ganz vorne sitzen Elsies Geschwister Lili und Hans. Elsie selbst ist noch gar nicht geboren, sie kommt erst einige Monate später, im Februar 1923, zur Welt.

Aber hinter diesem idyllischen Bild verbirgt sich eine entsetzliche Geschichte, wenn man die Lebensgeschichten der abgebildeten Personen erforscht. Denn die Familie Berg war jüdischen Glaubens und wurde unmittelbar in den nationalsozialistischen Völkermord einbezogen.

Elsie selbst wurde in Auschwitz ermordet, genau einen Monat vor ihrem 20. Geburtstag. Ihr Vater Eduard starb 1927 eines natürlichen Todes, ihre Mutter Friederike wenige Tage vor Kriegsende auf einem Todestransport im „verlorenen Zug von Tröbitz“. Opa Ludwig wurde 1945 im KZ Bergen-Belsen ermordet, Oma Sophia 1943 im Durchgangslager Westerbork. Elsies Bruder Hans beging 1937 mit gerade einmal 18 Jahren Selbstmord, das Schicksal von Onkel Rudolf ist unbekannt. Nur Lilli Berg und Tante Diana überlebten die Deportation.

In den Projektkursen Geschichte erforschen Schülerinnen und Schüler seit mittlerweile drei Jahren die Lebensgeschichten von Opfern der NS-Diktatur und ihrer Familien an der KLS. So haben wir das Schicksal von Elsie Berg rekonstruiert – und viele weitere; ihre Biographien werden in Kürze auf der Homepage der Schule zu finden sein. Für Elsie und vier weitere ehemalige jüdische Schülerinnen haben wir am 18.4.2018 die ersten Stolpersteine vor dem Schuleingang verlegen lassen, und auch dieses Projekt wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

Doch wir wollen noch etwas anders – wir wollen einen ganz besonderen Gedenkort an unserer Schule schaffen. Der Hintergrund ist folgender. Vor kurzem sind 24 Schülerinnen und Schüler der Q2 auf Gedenkstättenfahrt in Auschwitz gewesen. Als einen der Orte mit der größten emotionalen Wirkung haben wir dabei die „Fotowand in der Zentralsauna“ erfahren. Dort – wo die Beute der Ermordeten gesammelt wurde – fanden sich bei der Befreiung viele Privatfotos, die die Opfer bei der Deportation mitgenommen hatten. Diese Bilder sind das Einzige, was von den Menschen geblieben ist, und man hat sie zu einer großen Fotowand zusammengestellt. Die erschütternde Wirkung liegt zum einen darin, dass man sich hier ein konkretes Bild von den Opfern machen kann, indem man sie als individuelle Menschen sieht. Vor allem aber begegnen sie uns nicht als Opfer, sondern als die Menschen, die sie vorher waren, in ihren privaten Glücksmomenten – Hochzeiten, Familientreffen, Kindstaufen – und mit dem Leben, das man ihnen genommen hat.

Daraus entstand die Idee, eine solche Fotowand auch für jene KLS-Schülerinnen und ihre Angehörigen zu erstellen, deren Biografien erforscht wurden, denn wir haben das Glück, dass wir bereits eine größere Zahl von Fotos gefunden haben. Auf diese Weise können wir an sie erinnern und das Gedenken an sie und ihre Schicksale mitten in unser tägliches Schulleben holen.

Dazu wollen wir alle Fotos sammeln, für jedes einen passenden alten, möglichst zeitgenössischen Rahmen suchen, die fertigen Rahmen auf einen Träger montieren, den man auf- und abbauen kann, um ihn in Form einer Dauerausstellung zu verschiedenen Gelegenheiten an verschiedenen Orten in der Schule aufstellen zu können (z.B. im Foyer am Jugend- und Schülergedenktag, im Eingangsbereich am 9. November, vielleicht auch als Leihgabe im NS-Dokumentationszentrum). Natürlich werden auch Begleittexte verfasst, die erklären, um wen es sich bei den dargestellten Personen handelt und wie ihr Schicksal war.

Dies wird eine lange Zeit in Anspruch nehmen, Kosten verursachen (z.B. für entsprechende Rahmen) und technische Schwierigkeiten aufwerfen (z.B. Reproduktion von Fotos, Klärung von Bildrechten, Gestaltung der Wand). Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, uns auf dem Sommerfest mit einer Vorstellung unseres Projekts und der Bitte um Unterstützung an die Schulgemeinschaft zu wenden.

An dieser Stelle möchten wir Bericht erstatten und uns ganz herzlich für das große Maß an Aufmerksamkeit und Unterstützung bedanken, das wir an diesem Tag erhalten haben. Insgesamt haben wir mehr als 300 € an Spenden erhalten, darüber hinaus bis jetzt zwei Kisten mit Bilderrahmen, die als Sachspenden sehr willkommen sind, zudem wichtige Kontakte und Hilfsangebote, z.B. für die Reproduktion von Fotografien. Die ersten Bilderrahmen sind schon fertig, jetzt können wir daran gehen, weitere fertigzustellen und demnächst beginnen, über die Gestaltung der Wand nachzudenken.

Dafür und für das große Interesse und die Zustimmung möchten wir uns ganz herzlich bedanken. So wird diese Fotowand tatsächlich zu einer Gemeinschaftsaktion der ganzen Schulgemeinschaft.

Allerdings werden wir auch weiterhin Unterstützung finanzieller, materieller und ideeller Art brauchen.

Wenn Sie uns finanziell unterstützen möchten, können Sie gerne eine Spende auf das Konto des Fördervereins überweisen (Förderverein der KLS, IBAN DE97 3716 0087 0014 8580 08) und zwar mit dem Verwendungszweck „Fotowand“ (dann wird Ihre Spende nur für die Fertigstellung der Gedenkwand verwendet) oder mit dem Verwendungszweck „Schulgeschichte“ (dann kommt Ihre Spende unserer Arbeit insgesamt zugute).

Darüber hinaus sind wir auch weiterhin für jede andere Form der Unterstützung dankbar. Und wir freuen uns immer über Ihr Interesse an unserer Arbeit.

Ez

 

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