Zweitzeugen

Zweitzeugen

Zuerst nur eine blöde Bemerkung. Dann Schubser und Tritte. Und dann ist man plötzlich kein Mensch.

Harmlos. Am Anfang. Der Holocaust ist ein dunkler Schatten über der deutschen Geschichte.

„Ach, darüber haben wir doch schon zu oft geredet!“

Nein, ein Mensch ist erst vergessen, wenn seine Geschichte vergessen ist. Deswegen war der Verein „Heimatsucher“ am 27. Januar in unserer Schule und hat Geschichten von Überlebenden des Holocaust erzählt. Die jüngsten sind 85 Jahre alt.

Oft war es purer Zufall, dass sie überlebt haben.

Eine Frau war schon in einer Gaskammer, als ein Anruf aus dem KZ Bergen-Belsen kam, dass sie da weitere Arbeiter benötigten.

„Jeder der heute einem Zeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden“ - das hat der KZ-Überlebende Elie Wiesel gesagt.

Diesem Beispiel würden wir gerne folgen und eine der 28 Geschichten, die der Verein von Überlebenden gehört hat, weitererzählen.

Chava Wolf wurde in einem kleinen rumänischen Dorf geboren, in dem überwiegend jüdische Familien wohnten. Als sie die Schule nicht mehr besuchen durfte, wurde ihr langsam bewusst, was die Rassenideologie der Nazis für sie bedeutete.

Als Kind wurde ihr ganzes Dorf mit ihr und ihrer Familie in einem Viehwagen deportiert. Die Reise dauerte drei bis vier Tage, in denen sie weder zu essen bekamen noch zur Toilette gehen konnten. Danach wurden sie vier Wochen - bei winterlichen Temperaturen - durch ganz Rumänien getrieben. Weil sie auch da nichts zu essen bekamen, starben viele schon auf dem Marsch. In den Lagern von Transnistrien lebte Chava Wolf vier Jahre nur von dünner Suppe und etwas Brot. In dieser Zeit schlug sich ihre Mutter die Goldzähne aus dem Mund, um an etwas mehr Essen zu gelangen. Wenn sie heute daran zurückdenkt, kann sie sich nur noch an zwei Dinge erinnern: Hunger und Kälte. Hitler habe ihr die Kindheit gestohlen, sagt sie. Nur durch das Malen von Bildern und Schreiben von Gedichten habe sie die furchtbaren Erlebnisse später verarbeiten können.

Wir sollten die Geschichten der Überlebenden weitererzählen und der Opfer gedenken. Aber auch in der heutigen Zeit gegen Rassismus aufstehen, auch in der Schule, wo alles begann. Zuerst nur eine blöde Bemerkung.

Paula H., Marilena D., 8a

Weitere Beiträge von Schülerinnen und Schülern der KLS finden sich auf "Luise online".

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