Schule mal anders – KLS goes Merchiston

Schule mal anders – KLS goes Merchiston

Ein abgelaufener Personalausweis, zwei Lehrkräfte mit dicker Erkältung und drei Duschen für 12 Schülerinnen und Schüler. Nicht der beste Start für einen gelungenen Schüleraustausch mit unserer schottischen Partnerschule in Edinburgh.

Zum sechsten Mal waren Schülerinnen und Schüler der KLS Ende September zu Besuch an der Merchiston Castle School, zum sechsten Mal waren alle beeindruckt von einer Schule, die andersartiger nicht sein könnte.

Liegt die KLS eng eingezwängt zwischen Ehrenstraße und Friesenplatz, besteht das Schulgelände der Merchiston Castle School aus einer parkähnlichen Anlage umringt von schuleigenen Tennis- und Rugbyplätzen. Statt eines Betonbaus aus den 50ern ein altes Herrenhaus mit Tartan-Teppichboden im Treppenhaus und eigenem Empfang. Tummeln sich bei uns in den 5-Minuten-Pausen mehr als 30 Jungen und Mädchen wild durcheinander im Klassenzimmer, warten in Schottland nie mehr als zehn Jungen in Schuluniform brav vor der Tür, bevor die Lehrkraft sie in ihren Raum reinlässt.

Unser Warteraum für die Freistunden ist die Schülerbücherei, untergebracht in einem eigenen Gebäude. Hier findet man neben Fachliteratur zu allen möglichen Themen auch meterweise Romane, Comics und Zeitschriften. Für uns Lehrer gibt es zum Kaffee jeden Morgen den „Guardian“ und den „Scotsman“. Derweil sind die Schülerinnen und Schüler mit ihren Partnern im Unterricht. Neben Englisch, Wirtschaft und Biologie stehen beispielsweise auch Holzsägen, Theaterspiel und Debattierclub mit auf dem Stundenplan. Beim Deutschunterricht helfen alle gerne mit, kurze Dialoge über Schule und Freizeit werden gemeinsam geschrieben und vorgetragen.

Schnell stellen wir fest, eine schottische Privatschule für Jungen ist so ganz anders als ein städtisches koedukatives Gymnasium in Köln. Schnell sind wir ein bisschen neidisch, überlegen, ob man auf der Palmstraße nicht auch einen Rugbyplatz einrichten könnte. Nachdenklich sind wir, machen uns Gedanken über die Finanzierung des deutschen Schulsystems. Was wäre, wenn...? Was wäre, wenn bei uns auch nur zehn Kinder in jedem Kurs säßen? Wenn jeder individuell gefördert werden könnte? Wenn es in jedem Raum ein Smartboard gäbe? Wenn jeder Schüler seinen eigenen Laptop hätte? Wenn ein kaputter Stuhl schon am nächsten Tag repariert wäre? Was hieße das für unsere Zukunft? Was bedeutet eine Privatschule für soziale Gerechtigkeit? Welche Chancen haben die, die nicht auf so eine Schule gehen?

– Aber nicht nur nachdenklich, auch ein wenig stolz sind wir: „In Mathe machen die gerade erst binomische Formeln. Das haben wir schon vor Jahren gemacht.“ „Die lernen in Bio gerade genau das gleiche wie wir. Das kann ich gut für die Klausur gebrauchen.“ Unser Englisch reicht aus um alles mitzubekommen.

Nicht nur die fremde Schulwelt beeindruckt uns, auch die Stadt Edinburgh zieht uns in ihren Bann mit ihren alten Straßen und Gassen, den Bergen und dem Meer außenrum. Der Blick von Calton Hill ist umwerfend, im Edinburgh Dungeon erfahren wir mehr über die dunklen Seiten der Geschichte Edinburghs. Etwas wehmütig sitzen alle gemeinsam am Donnerstagabend beim Inder, es gäbe noch so viel zu erleben und zu sehen – und auch ein noch schärferes Curry zu probieren.

Beim Warten auf das Gepäck am Flughafen Köln-Bonn ein letztes gemeinsames Gespräch: Der erste negative Eindruck vom Anfang ist längst vergessen, einhellig bescheinigt man der Fahrt 17 von 10 Punkten.

Ein ganz herzlicher Dank geht an die Merchiston Castle School und insbesondere an den Deutschlehrer Ferdinand Geisler, der uns den Besuch in Schottland erneut ermöglicht hat! Wir würden uns freuen, wenn Ihr 2017 beim Weihnachtsmarkt in Köln wieder unsere Gäste sein würdet!

Sinje Faßbender

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