„Destination Europe“ Planspiel zur Flüchtlingspolitik der Europäischen Union mit den Grundkursen SWE Q2

„Destination Europe“ Planspiel zur Flüchtlingspolitik der Europäischen Union mit den Grundkursen SWE Q2

Noch ist das Wort „Flüchtlingskrise“ nicht verhallt, noch sind uns die Bilder fliehender Menschen in wackeligen Schlauchbooten auf dem Mittelmeer oder auf durchgeweichten Trampelfaden quer durch Südosteuropa mehr als vertraut.

Flucht, das ist menschliches Verhalten, um sich und seine Familie, außer Gefahr zu bringen. In die EU sind in den letzten Jahren viele Menschen geflohen, mehr als 1,5 Millionen hat die Gemeinschaft 2015 aufgenommen.

Doch ist „Gemeinschaft“ die richtige Bezeichnung für unser Europa?

Genau mit dieser Frage haben sich die zwei Sozialwissenschaften-Englisch-Kurse der Q2 in der vergangenen Woche auseinandergesetzt. Im Unterricht hatten die Schülerinnen und Schüler schon gelernt, dass die EU sich durch die Einführung des Binnenmarkts und die Umsetzung des Schengener Abkommens 1993 in einen Staatenverbund gewandelt hatte, der keine Personenkontrollen an seinen Binnengrenzen mehr kennt.

Wie aber soll das gehen, wenn plötzlich an den EU-Außengrenzen Hunderttausende ankommen? Wenn die Dublin-II-Verordnung, die eigentlich regelt, dass Flüchtlinge grundsätzlich in dem Land das Asylverfahren durchlaufen, in dem sie ankommen, außer Kraft gesetzt ist? Wie kann da noch die von allen Mitgliedstaaten unterzeichnete Genfer Flüchtlingskonvention realisiert werden? Wie können 28 Mitgliedsstaaten gemeinsam solidarisch handeln?

Das Planspiel »Destination Europe 2016«, das das »CIVIC GmbH – Institut für internationale Bildung« entworfen und mit unseren Oberstufenschülerinnen und -schülern durchgeführt hat, thematisierte diese Auseinandersetzung.

Alle Schülerinnen und Schüler erhielten nach einer kurzen Einführung jeweils ein Szenario, ein Gruppenprofil und ein Rollenprofil sowie den Zeitplan und spezifische Einzelvorlagen. Zunächst wurden die Gruppen »Europäische Kommission«, »Rat« und »Europäisches Parlament (EP)« gebildet, bevor die eigentliche Arbeit begann. Im Europäischen Parlament setzten sich die Mitglieder in ihren Fraktionen zusammen, eine Präsidentin wurde gewählt, erste Standpunkte ausgetauscht. Zeitgleich bereitete die Kommission einen Vorschlag für einen neuen Rechtsakt zur gemeinsam Asyl- und Flüchtlingspolitik vor. Nun war es am Europäischen Parlament sowie am Rat, den Wortlaut des Gesetzestextes zu bearbeiten, Inhalte auf den Prüfstand zu stellen und kritisch auf den Gesetzgebungsprozess Einfluss zu nehmen: Sollte es Mindeststandards bei der Unterbringung der Flüchtlinge geben? Dürfen auch die Fingerabdrücke von Kindern unter 12 Jahren in einer Datenbank erfasst werden? Darf diese Asyl-Datenbank anderen Behörden zur Verfügung gestellt werden? Wer finanziert die Grenzschutzagentur Frontex? Welche Aufgaben hat Frontex überhaupt? Nach welchem Schlüssel werden die Flüchtlinge verteilt?

Stundenlang brüteten das EP und der Rat über der Vorlage. Einige Länder sträubten sich noch immer gegen die neue Vorlage. Nur sehr knapp wurde im Rat die Qualifizierte Mehrheit erreicht. Als schließlich dann doch bei einem feierlichen Akt der Präsident des Europäischen Rates sowie die Präsidentin des Europäischen Parlaments die neue Verordnung unterzeichneten, zeigte sich nicht nur die Kommission erleichtert, auch alle anderen Politiker stimmten in den lauten Applaus ein.

Was haben wir durch das Rollenspiel gelernt? Dass das Politikersein ein harter Beruf ist, der viel Ausdauer und Verhandlungsgeschick benötigt, aber vor allem auch viel Leidenschaft an der Sache? Dass es schwerfällt zu verstehen, dass einfache Lösungen in dieser komplexen Welt nicht ausreichen?

Vor allem aber, dass wir gerade in diesen unruhigen Zeiten froh sein können, dass es eine Gemeinschaft von 28 Staaten gibt, die zusammenarbeitet und für unsere Werte einsteht, die im Vertrag über die Europäische Union (in der Fassung des Lissabonner Vertrags) in Artikel 2 erwähnt werden: "Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören.“

Sinje Fassbender

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