Besuch des NRW-Landesarchivs in Duisburg

Besuch des NRW-Landesarchivs in Duisburg

Der Geschichtsprojektkurs beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus. Hierzu erforschen wir die Schicksale der jüdischen Schülerinnen von unserer Schule zur Zeit der Diktatur. Um das Leben in der Schulgemeinschaft nachvollziehen zu können, haben wir uns mit den Lehrkräften befasst. Das NRW-Landesarchiv Duisburg hat Akten von Lehrern, die während dieser Zeit an der KLS unterrichtet haben.

Also haben wir uns in den Herbstferien auf den Weg ins Landesarchiv gemacht. Zuvor hatte unser Lehrer Herr Erkelenz dort angefragt, ob wir Zugang zu den Akten erhalten können. Mit einer Bescheinigung der Schule und ohne zu wissen, was uns erwarten wird, sind wir in den Zug gestiegen.

Vor Ort angekommen, mussten wir uns im Archiv anmelden, um die Akten einsehen zu dürfen. Mit einem Bleistift und Papier bewaffnet, konnten wir uns in die Arbeit stürzen. Zu unserer Überraschung waren zwei hohe Aktenstapel für uns bereitgestellt worden. Mit den Entnazifizierungsakten beginnend, glichen wir die benannten Lehrer mit der Liste „Lehrkräfte der KLS (aus: Jahrbuch der Lehrer der höheren Schulen in Preußen), die uns Herr Erkelenz mitgegeben hatte, ab. Es hat sich herausgestellt, dass allen uns vorliegenden Anträgen auf Entnazifizierung stattgegeben wurde und die Lehrer somit als „politisch unbelastet“ oder „harmloser Mitläufer“ bezeichnet wurden. Erschreckend dabei ist, dass alle Lehrkräfte entnazifiziert wurden, egal welche Rolle sie zur Zeit des Nationalsozialismus gespielt haben. Das zeigt, dass die Aufarbeitungsprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg nicht angemessen durchgeführt wurden. Zu der Zeit wurden die meisten Verbrechen, die die Nazis begangen haben, kaum verfolgt.

Als nächstes standen die Personalakten an. Diese waren um einiges umfangreicher, da sie von der Studienzeit bis zum Tode alles umfassten. Hier war das Durchsehen um einiges aufwendiger, da viele der Dokumente entweder handschriftlich in der alten deutschen Schrift verfasst worden sind oder im Nachhinein bearbeiten worden sind. Es war nicht ganz ersichtlich, wer dies vornahm oder wann dies geschehen ist. Besonders interessant waren die Dokumente der Nazis, in denen es um die Überzeugung der Lehrkräfte von der nationalsozialistischen Ideologie ging. Des weiteren ist es möglich, dort Kopien einiger Aktenseiten anfertigen zu lassen.

Aufgrund der zahlreichen Informationen haben wir es nur geschafft einen der beiden Aktenstapel durchzuschauen. Zudem ist es etwas anderes, selbst dorthin zugehen und sich mit den Lebensgeschichten und Akten zu befassen, als in der Schule, weil diese Art der Informationserlangung viel direkter und intensiver ist. Es ist eine ergebnisträchtige Arbeit, da man den Bezug zu den Personen und zur Schule direkt findet und damit einen besseren Zugang dazu hat. Dergestalt wäre es lohnend, dass ein ganzer Kurs die Akten erneut durchschaut, da dies eine informative Quelle ist und dort noch einiges zu holen ist.

M. Boy und E. Tenhagen

 

Zurück

Archiv "Aus dem Schulleben"

Ältere Artikel finden Sie HIER!